Zu viert
Du sagst mir, du hast Angst und willst nichts kaputt machen. Ich sehe deine Angst nicht. Du kommst immer allein zu mir. Ich glaub, du versteckst sie, stellst dich schützend vor sie, damit ich nicht an sie herankomme, um sie zu verjagen. Du glaubst, du musst sie behüten, dabei sollte sie doch diejenige sein, die dich sicher überall hin begleitet, dir stets den Rücken für mögliche Veränderungen stärkt. Zu unterscheiden, welche Veränderungen dich umarmen und welche dich verstoßen, bleibt ihr jedoch versagt. Dafür bist nur du zuständig.
Deine Angst ist es, die das, was ist oder sein könnte, kaputt macht. Sie sieht nicht die Veränderung, die bereits ihre Arme weit geöffnet hat und nur noch darauf wartet, dass du ihr entgegen kommst. Unsere Ängste sind wohl beide blind. Denn deine Angst ist es, die mir auch Angst macht - mehr noch, als ich sowieso schon hab. Wie kann ich denn wissen, wann deine Angst vielleicht mal kurz weg und du allein bist? Und wäre dann meine Angst überhaupt genau in diesem Moment auch abwesend, oder versteckt sie sich nur hinter meinen Rücken – aus demselben Grund wie deine? Ich will lieber nicht hinter mich blicken, um zu sehen, ob sie da ist, aus Angst, dass du, wenn ich mich wieder umdrehe, weg bist – zusammen mit deiner Angst.
Eigentlich sind wir doch so gesehen jedes Mal zu viert.
Das wäre doch eine gute Voraussetzung für den Weg, der uns zueinander führt – mit Verstärkung. Zu viert ist alles zu schaffen! Jedoch die Veränderung als willkommenen Freund zu sehen, bedarf es uns an Zweisamkeit. Wir müssten uns gegenseitig die Angst verjagen. Allerdings bräuchten wir dafür wiederum ganz dringend den Mut - Du einen und ich einen -, der uns dazu verhilft, zu zweit zu sein. Genau in diesem Moment wären wir wieder zu viert. Und unser Mut versteckt sich hinter unseren Rücken. Und dann sagen wir uns jedes Mal:
„So geht das nicht, wir müssen allein sein, um uns einander zu finden."
Eigentlich sind wir doch so gesehen jedes Mal zu viert.
Euer Senf dazu
1 Kommentar
15.07.2011
maria
nachricht: bitte an spiesi weiterleiten: das, was du schaffst, ist ganz toll. vielen dank!
