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Eine lächerliche Waffe

Gewissen - Die Unendlichkeit Teil 2



Es klopfte an der Tür als ich bereits im Bett gelegen hatte. „Du hast einen Teil Deines Herzens bei der Unendlichkeit verloren.“ sagte mein Gewissen vorwurfsvoll zu mir, nachdem ich die Tür öffnete. Ich wollte es erst gar nicht hereinlassen, aber da es nun einmal da war, konnten wir uns auch gleich mal ausreden. Als sich mein Gewissen setzte und die Beine auf den Tisch legte, wusste ich, es war das schlechte. Nun gut, dachte ich mir, ich kann es mir nicht immer aussuchen, wem ich ein Bier einschenke. Es saß mir direkt gegenüber, sodass ich ihm genau in die Augen sehen musste. Einwenig unwohl war mir schon dabei, aber ich ließ mir nichts anmerken. Mein Gewissen hingegen kam gleich auf den Punkt und wiederholte eindringlich “Du hast einen Teil Deines Herzens verloren.“ Es will angeblich gesehen haben, wo es passiert ist. Daraufhin hielt ich entgegen, dass er auch gestohlen worden sein kann und ich unschuldig bin. Aber mein Gewissen ließ sich auf keine Diskussion ein. Es ändert sowieso nichts an der Tatsache, dass ein Stück meines Herzens fehlt. Als wollte es einmal etwas Gutes tun, hatte mein Gewissen für dieses Gespräch einen Moment lang seinen schlechten Ruf vergessen. Wir diskutierten eine ganze Weile darüber, wie ich es wiederbekommen kann. Das war jetzt wichtiger, und das wusste mein Gewissen. Wir gingen mehrere Möglichkeiten durch, doch so viele realistische Alternativen blieben nicht übrig. Wenn ich die andere – die wichtige Hälfte meines Herzens zurückgewinnen will, muss ich die Unendlichkeit aufsuchen. Wir beide wussten zwar, wo sie zu finden ist, aber uns war auch klar, dass sie so gut wie unerreichbar ist. „Wenn Du sie doch mal erwischen solltest, dann biete ihr alles was Du hergeben kannst.“ riet mir mein Gewissen. „Geh an Deine Grenzen, biete ihr Dein Selbstwertgefühl, Deine Würde, Deine Moral.“ Etwas anderes wird mir auch nicht übrig bleiben, dachte ich mir so und gab ihm Recht. Außerdem, was will schon die Unendlichkeit mit meinem Herz? Sie weiß doch gar nicht was sie damit anfangen soll. Sie könnte es mir genauso gut wiedergeben – von selbst auf mich zukommen. Aber da lenkte mein Gewissen gleich wieder ein, als hätte es meine Gedanken lesen können. „Darauf kannst Du ewig warten. Etwas Gefundenes lässt sich leicht sein Eigen nennen. Die Unendlichkeit wird auch so denken, wenn sie sich überhaupt damit auseinandersetzt.“ Wieder musste ich enttäuscht dem Gewissen zustimmen. Vielleicht bin ich auch einfach zu naiv. „Für niemanden kann ein Stein im Schuh bequem sein – oder?!“ fragte ich ungläubig. Das Gewissen hatte, ohne mir eine Antwort darauf geben zu können, ausgetrunken, um sich wieder auf den Weg zu machen. Es kam zu dem Entschluss, persönlich die Unendlichkeit aufzusuchen und sagte mir, dass es eine Belohnung für die Aushändigung meiner Herzenshälfte aussetzt. Mein schlechtes Gewissen sprach in mein fragendes Gesicht: „Du wirst die Unendlichkeit belohnen, indem Du aufhörst ihr hinterher zujagen und ...“

„Du vergisst ihren Namen.“





Euer Senf dazu

1 Kommentar

15.07.2011 maria
deine geschichten und die gedichte sind super - sie drücken es genau so aus, wie es wirklich ist, wie man sich fühlt, wie man mit den ängsten kämpft. und immer wieder verliert.. und sich wieder aufrafft. danke, dass ich mich vertsanden fühlen darf. :-)