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Am Grab meiner Ängste

Der Traum

Der Weg des Lebens


Einst ging ich eine Straße entlang, die nur sehr wenig befahren war. Sie war staubig und verlassen. Ich lief einfach nur geradeaus, mit dem Blick zum Horizont, wo sie immer schmaler wurde. Es gab keine Abzweigungen, nur ein paar Bäume und weit und breit riesige Felder, die im Nichts endeten. Es war sehr ruhig. Ein paar Vögel zwitscherten mir bei meinem Spaziergang zu. Einfach himmlisch. Die Sonne strahlte mir in mein Gesicht und der Duft von frischen Blüten lag in der Luft. Die leichte Windbrise, das Rauschen von Gräsern, all das machte die Idylle perfekt. Ich ging weiter, immer weiter, als hätte ich nie ein Ende finden können – oder wollen. So weit weg von der scheinbar wirklichen Welt, so verzaubert und hingerissen wie ich war, bemerkte ich nicht, wie sich die Wolken am Himmel zu einem Rudel zusammenrafften. Als sich ein Sonnenstrahl von meinen Augen abwandte, schaute ich nach oben. Je näher die Wolken sich kamen, desto dunkler und bedrohlicher wurde ihre Gestalt. Ich blieb stehen, um mich zu vergewissern, ob es nun zu regnen beginnen würde oder ob die Strahlen jeden Moment wieder durchbrechen. Wie gelähmt stand ich da, obwohl ich die Gefahr witterte. Die Wolke, die aus vielen kleineren zu einem Riese verschmolz, näherte sich mir immer mehr, als würde sie vom Himmel stürzen. Immer noch betrachtete ich das gigantische Schauspiel aus der Froschperspektive. Dann raste sie mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit auf mich zu. Und ich machte noch nicht einmal den Versuch davon zu laufen. Plötzlich formierte sie sich zu einer einzigen riesigen Hand und griff nach mir. Ich kann noch nicht einmal sagen, dass mir das Angst machte. Sie konnte so fest zugreifen wie sie wollte, ich hatte ganz sanft in ihrem Griff gelegen. Im Himmel angekommen sah ich dann hinab auf die Erde. Ich sah meine Straße. Sie war winzig klein. Mit Entsetzen stellte ich fest, dass unglaublich viele Abzweigungen kommen werden, wenn ich wieder am Boden bin. Aus der Vogelperspektive sah ich nur noch ein Netz aus tausend Adern. Ich wollte nicht mehr zurück, aus Angst, ich könnte den Weg nicht finden. Aber dann ließ die Wolke mich fallen. Ich stürzte so schnell der Erdoberfläche entgegen, dass der Druck, der auf mich einwirkte, mich ohnmächtig werden ließ. Als ich wieder aufwachte, fand ich mich auf der Straße wieder. Ich fing an zu laufen. Nein, zu rennen, zu sprinten. Wovor ich weglief, kann ich bis heute nicht genau beantworten. Vielleicht waren es die Vögel, deren Zwitschern auf einmal wie heulendes Gekreische klang, vielleicht waren es die Gräser, die in riesigen Wellen bedrohend auf mich zu rauschten und einen tosenden Lärm verursachten. Ich wusste es nicht. Ich hielt nur meine Ohren ganz fest zu und rannte – irgendwohin. Als ich dann außer Atem war und stehen blieb, um Luft zu holen, war die Straße zu Ende, weg. Eine Sackgasse?! Und dann sah ich ein Schild, auf dem stand: „Weg des Lebens“. Erschrocken drehte ich mich um und schaute zurück. Aus dieser Ferne sah ich wieder diese weiten Felder, die Vögel, die Bäume, diese harmonische Idylle, wie ich sie anfangs erlebt hatte. Als ich das sah, wollte ich nur noch zurück, ich musste zurück und alles noch einmal erleben, auch den Wolkeneinbruch. Doch als ich zurückkehren wollte, stand ein weiteres Schild vor mir, auf dem stand: „Einbahnstraße“.











Euer Senf dazu

6 Kommentare

15.07.2011 ute
das hast du sehr bewegend geschrieben.dein Text regt zum Nachdenken an. Oft haben wir das Gefühl in einer Sachgasse gelandet zu sein oder kein zurück mehr aus der Einbahstrasse zu finden und doch gibt es immer einen Weg und wenn es eine Hand ist, die einen hält und dann fallen lässt, weil sie weiß, dass man alles auch allein schaffen kann. Liebe Grüße Ute

15.07.2011 zwietscha
Neue Wege.... findest du beim Schreiben scheinbar immer wieder, denn ich meine auch hier eine neue Nuance zu entdecken. Die Geschichte ist sehr gelungen. Obwohl man die Gedankengänge bzw. die Richtung deiner Gedichte wiedererkennt, finde ich es in dieser Form fast noch schöner verpackt. Schreib ruhig mehr davon. Mein Liebling in dieser Geschichte ist übrigens das Bild der Wolken, die sich zu einem Rudel ballen.

15.07.2011 maria
liebe spiesi, diese geschichte erennert mich ein wenig an kafkas kleine fabel von der maus und der katze. weißt du (noch), was die katze zu der maus sagt? - du musst nur die laurichtung ändern. und weißt du, was die katze dann tut?.. mag diese fabel ganz gern.. mag deine geschichte sehr.. so viel wahrheit, so viel gefühl. wie immer sehr gut geschrieben, die ängste sehr gut beschrieben, die bilder sehr gut gelungen. mag deine arbeit... sehr! maria

15.07.2011 martin
Hallo Spiesi, ich kann mich den Kommentaren nur anschließen. Besonders für mich ist die Art und Weise deiner Metaphorik. Wie du ein und dasselbe Bild im Verlauf der Geschichte gegenüberstellst aus verschiedenen Perspektiven blickend. So wird etwa aus Vogelgezwitscher Vogelgekreische. Das regt tatsächlich sehr dazu an, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln sehen zu wollen, neben dem Augenscheinlichen auch mehr zu entdecken. LG Martin

15.07.2011 trollbär
Einbahnstraße Der Schreibstil überzeugt mich weniger, allerdings sind es wieder einmal Deine genialen Gedankengänge, die diese Geschichte zu einem doch insgesamt guten Stück verhelfen. Aus einer Sackgasse führt, wenn man es wirklich will, immer ein Weg, doch auch dieser wird eine Einbahnstraße des Lebens sein. Gruß vom Trollbär

15.07.2011 anonym
Hallo zum Thema Sprachstil von einem Laien, der aber gerne liest Über die genialen Gedankengänge muss man - glaube ich - nicht diskutieren... Ich denke, die Sprache holpert teilweise etwas. Das mag daran liegen, dass Spiesi intuitiv schreibt, ich bezweifle, dass du mal einen Volkshochschulkurs im Kreativen Schreiben hattest, und bestimmte Techniken zur Erzeugung einer Stimmung o.ä. verwendest! Das macht es aber auch gerade sehr lebensnah, wie ich finde. Sie schreibt frei von der Leber weg. In dem Text geht es um den Inhalt, die Sprache ist nicht besonders ausgefeilt aber auch nicht gerade aus der Gosse Eben einfach ECHT und das ist ok. Im Mittelpunkt steht der Inhalt und der Gedanke und der ist wie gesagt genial Fazit: die einfache Sprache mindert den Lesegenuss in keiner Weise Ich bin Fan