Der Traum
„Um Träume wahr werden zu lassen, muss man erst aufwachen!“
Eines Nachts, als ich zu schlafen versuchte, war mir, als hätte mich ein leichter Hauch gestreift. Es war keine Berührung, nicht einmal eine kleine. Nur ein Hauch. Ich traute mich nicht die Augen zu öffnen, aus Angst, ich könnte ihn erschrecken und verjagen. Ich wollte alle weiteren Sinne auf eine mögliche Berührung konzentrieren. Also ließ ich die Augen fest verschlossen. Dann erst konnte ich wahrnehmen, dass meine Haut einen sanften Atemhauch verspürte. Er war so warm und einfühlsam. Als er mich an meiner Wange traf, fuhr es wie ein Blitz, glühend heiß und voller Energie, in meinen Magen und ließ jede einzelne Faser meiner Muskeln zusammenzucken. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Augen nicht mehr öffnen müssen. Ich wusste, dass du es nur gewesen sein konntest. So viel Energie kannst nur du auf eine so behutsame und sachte Weise ballen und zum Ausbruch bringen. Deine Hand, so vertraut, so zart und so voll Liebe. Sie glitt über meine Wangen, meinen Hals und verteilte all die Liebe, die sie verbarg, auf meinen ganzen Körper. Meine Haut zog sich zusammen wie die der berühmten Gänse. Doch anstatt herumzuschnattern, habe ich nur still genossen. Deine Hände waren meiner Federn gleich und zauberten einen wärmenden Schutzfilm über mich. In tausend bunten Flammen glühte mein Herz. So lichterloh, dass ich daran zweifelte, eine Nacht sei jemals dunkel gewesen.
Die Augen zugekniffen, um die Nacht, die Wahrheit nicht zu sehen! Als ich die Farben sehen wollte, meine Augen öffnete, war niemand mehr da. Alles war kalt, leer. Die Farben schienen schwarz, weiß und grausam. Keine Berührung, kein Hauch. Nur noch Zugluft und Kälte, die mein Federkleid zerrissen. Warst du nun Wirklichkeit gewesen oder hatte ich dich nur ausgedacht, erträumt - irgendwie? Du warst doch so echt, so wirklich, so wahr. In meinem Herzen brennt es immer noch - ein kleines Glühwürmchen. Dort werde ich es nie mehr heraus lassen. Ich weiß, es ist von dir. Und ich werde ewig hoffen, dass du es irgendwann einmal besuchen kommst.
Aber bitte sag mir vorher bescheid, damit ich die Augen schließen kann, um sicher zu sein, dass du auch wirklich da bist.
Euer Senf dazu
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